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Eintrag vom: 21.01.2007
Meike Herminghausen / Tania Meyer"Versprochen ist versprochen ...!"
Ein grafisch attraktiver, opulenter Text- und Bildband mit einem wichtigen Thema, einfallsreichen Projekten, klugen Kommentaren und nützlichen Hinweisen – rundherum erfreulich. Das Thema: Im September 2000 verpflichteten sich 189 Staats- und Regierungschefs bei den Vereinten Nationen auf die Millennium Development Goals (MDGs):
Damit endlich mehr geschieht und es nicht bei einer bloßen Deklaration bleibt, hatte Kofi Annan eine Kampagne ins Leben gerufen, mit der die Regierungen an ihre Versprechungen erinnert werden sollten. Um die Kampagne zu unterstützen und weiter zu treiben, haben sich Grips-Theater mit seiner Theaterpädagogik, die United Nation Millenium Campaign (in Bonn Dr. Renée Ernst) und Deutscher Entwicklungsdienst zusammengetan. Durchgeführt wurden, jeweils mit jungen Leuten, Theaterprojekte in Berlin, Dresden, Riesa –dazu kam ein Projekt im Rahmen des Festivals junger Künstler in Bayreuth:
Ergebnisse und Erfahrungen dieser Projekte wurden, zusammen mit einer Fülle von Informationen zu Formen und Inhalten, in „Versprochen ist versprochen ...!“ publiziert – und das Ergebnis ist nun nicht einfach ein (für Geldgeber nötiger und mit Eigenlob garnierter) Rechenschaftsbericht, sondern wirklich ein „Aktionshandbuch“. Es beginnt mit den „üblichen“ Gruß- und Vorworten (Heidemarie Wieczorek-Zeul, Volker Ludwig, Dr. Ernst von der Deutschen Millenniumskampagne, Otto Stein/Jutta Heckel vom Deutschen Entwicklungsdienst) – aber siehe da, schon die Grußworte sind informativ, detailreich, genau, fordernd, engagiert. Klar und präzise erläutern zudem die beiden Autorinnen Meike Herminghausen und Tania Meyer Ziel und Aufbau ihres Buches: „Es stellt theaterpraktische Aktionen vor, die die Millenniumsziele verbreiten und einfordern, und soll Lust und Mut machen, die Beispiele auszuprobieren, abzuwandeln, zu erweitern ...“ (7). In jedem Projektkapitel werden zunächst je zwei Theateraktionen dargestellt, mit Fotos dokumentiert und dann in gleicher Weise exemplifiziert: „Unter
der Überschrift Schritt für Schritt (1) beschreiben
wir den Weg, den die Schüler/innen genommen haben – so,
wie man ihn ähnlich oder in abgewandelter Weise beschreiten
kann.
Nach jedem Projektkapitel wird ein besonderer „Fokus“ eingeschaltet; er beleuchtet jeweils spezifische Theaterfragen: „Sichtbar
werden: Bedingungen für das Theater auf der Straße“
(28 f)
Ein abschließendes Theoriekapitel „Theater als politisches Medium: Ziele und Effekte“ (62) bleibt dicht an Inhalten und Formen des Buches und macht zugleich die Vorteile eines eingreifenden Theaters deutlich - zum einen nach außen: „Der Experimentalcharakter des Theaters ermöglicht Kindern und Jugendlichen, aktiv am politischen Leben teilzunehmen, ohne sich als Person zu entblößen. ... Im sicheren Rahmen der Kunst bringen sie sich ins – öffentliche – Spiel. Sie spielen (plötzlich) eine Rolle“ (63). Dann nach innen, auf die SpielerInnen selbst bezogen: „In der Auseinandersetzung mit den Millenniumszielen zeigt sich immer wieder, dass die Entwicklung von Theaterszenen und die Arbeit an der Rolle den Einblick in scheinbar undurchschaubare Zusammenhänge ... erheblich unterstützen: Denn in der konkreten, empathischen Beschäftigung mit Lebenssituationen anderer werden deren Bedürfnisse und Nöte ebenso greifbar wie die eigenen Privilegien“ (64). Film und Fotos zum Aktionshandbuch sind als DVD beigelegt. - Zum Schluss: Der Untertitel des Buches lässt sich in doppelter Weise lesen:
„Mit Theater die UN-Milleniumsziele einfordern“
Hans-Wolfgang Nickel
PS.: Die Publikation wird an SpielleiterInnen kostenlos abgegeben: Grips-Theater, Altonaer Str. 22, 10 557 Berlin; t-paed@grips-theater.de ; Rückmeldungen zum Thema an milleniumprojekt@grips-theater.de ; von Herbst 2007 bis Sommer 2008 gibt es Werkstätten zu der Kombination Milleniumprojekt und Theater in jedem Bundesland. Und noch ein zweite Nachbemerkung: Die Publikation zeigt mit ihren verständlichen „Mustern“, den vielfachen Hinweisen auf Variationsmöglichkeiten und auf Ansätze zur Adaptation an die je besondere Gruppe und deren eigene Bedingungen eine deutliche Zielrichtung auf die politische WIRKUNG von Theater (oder zumindest: auf politische Wirkungs-Möglichkeiten!). Sie macht zudem bewusst, dass Theater, was heute häufig vergessen zu werden scheint, immer auch eine INHALTLICHE Dimension hat, also auch INHALTE transportiert und eben nicht nur eine bewegte Form ist. Das aber bedeutet notwendig die Übernahme von Verantwortung für diese Inhalte – Verantwortung vor der Gegenwart, den SpielerInnen und dem Publikum. Das gilt insbesondere, wenn sich die Theatermachenden während der und durch die Erarbeitung intensiv mit einer Thematik befassen müssen. Ergänzend zu diesen Überlegungen ließe sich in ein anderes Grips-Projekt hineinschauen: „Hiergeblieben“, eine von den TheaterpädagogInnen des Grips initiierte Aktion, zeigte die nach einem aktuellen Fall dramatisierte Geschichte einer Jugendlichen, die ausgewiesen werden sollte; die Aufführung war begleitet von vielfachen politischen Aktionen und verstand sich zugleich als ein Appell an die Konferenz der Innenminister. Während bei „Versprochen ist versprochen... !“ die politische Wirkung bei SpielerInnen wie beim Publikum und in der Öffentlichkeit erreicht werden sollte, bezogen sich bei „Hiergeblieben“, von professionellen Theatermachern erarbeitet; thematische Aufklärung und ideelle Unterstützung vor allem auf die ZuschauerInnen, politische Wirkung sollte vor allem in der Öffentlichkeit erzielt werden. Wer interessiert ist an Theater als politischem Wirkmittel, als öffentliche Aktion kann hier also zwei unterschiedliche qualitätvolle und erfolgreiche Modelle studieren. Für nähere Informationen: www.hier.geblieben.net
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