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Fachliteratur kritisch besprochen

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Eintrag vom: 13.05.2007

Johann Bischoff, Bettina Brandi (Hg.)

Künstlerisch-technische Grundlagenvermittlung für die Ausbildung im Bereich der angewandten Kultur-, Medien- und Sozialpädagogik
Aachen: Shaker Verlag 2003, 374 S. (Merseburger Medienpädagogische Schriften, Bd. 1)

Der Aufbau dieses umfangreichen „Studienbandes“ (S. 7) mit seinen eng bedruckten Seiten ist nicht einfach zu erschließen. Im Kapitel (bzw. Modul) 1 „Grundlagen der Medienpädagogik“ geht es vor allem um Bildende Kunst, visuelle und audiovisuelle Medien. Dann folgen
Kap. 2 die „Gestaltung von Film- und Videoproduktionen“,
Kap. 3 „Grundlagen der Theaterpädagogik“,
Kap. 4 „Grundlagen der Musikpädagogik“.
Kap. 5 behandelt die „Medienanalyse“ am Beispiel von AV-Medien, einer Krimiserie, einer Talkshow, aber auch von Printmedien (Zeitschrift, Zeitung). Es folgen (generalisierend, allgemein) Theateranalyse, Musikanalyse, Analyse von Filmmusik, ergänzt durch ein Beispiel „Musik im Film Moulin Rouge“.
Kap. 6 „Produktions- und Planungspraxis“ behandelt Video, Hörspiel, Bildkünstlerische Techniken, Fotografie, Plakatgestaltung und PC-Möglichkeiten.
Abschließend gibt es im Kap. 7 „Praxisbeispiele“: die Projekte Offener Kanal, ‚gothic-art’ (Fotografie), Magisches Malen, überraschend ein Projekt „Yogapraxis“ und, für uns besonders interessant, auf 10 Seiten eine knappe Darstellung des Theaterprojekts DOMINO.

Der Band verschränkt also Allgemein-Medienpädagogisches mit Spezifisch-Kunstbezogenem. Er tut das sehr geschickt und gibt damit dem Leser, dem Studierenden (wenn er gut beraten wird) durch Querbezüge eine Fülle von anregenden Informationen und Einsichten - primär auf das Verstehen von Phänomenen bezogen. Dazu heißt es freilich einschränkend schon im „Arbeitshinweis“ auf der ersten Seite des Textes, „dass der rationale Zugang zur Mediengestaltung zwar eine wichtige Voraussetzung zur Planung und Vorbereitung darstellt“ (und genau dem dient dieser Studienband), dass jedoch „ästhetische Gestaltungsmittel nur im Ansatz am Schreibtisch“ behandelt werden können (7) - „Theorie und Erfahrung (Phänomen) stehen gegeneinander in beständigem Konflikt. Alle Vereinigung in der Reflexion ist eine Täuschung; nur durch Handeln können sie vereinigt werden.“ So Goethe in seinen Maximen und Reflexionen (1231).

Allerdings verlangt der Studienband eine Menge von seinen Lesern – weil er zum einen sehr viel Stoff auf knappem Raum bündelt (so werden zum Beispiel 30 verschiedene „Stilepochen der Bildenden Kunst“ auf nicht einmal 7 Seiten aufgelistet - von der „Eiszeit“ über Mesopotamien, Kelten, Germanen, Rokoko bis zu Land Art und Conzept (sic!) Art, 40 ff) – weil zum anderen die unterschiedlichen Kapitel sich gegenseitig nur dann ergänzen und stützen, wenn der Studierende die Bezüge auch aktiv herstellt (unter „Zeichensprache der Fotografie“, 51 ff, wird z.B. auch die Zeichentheorie, werden Semantische, Syntaktische, Pragmatische Aspekte abgehandelt – und die verbale Sprache fehlt zunächst). Dieser durchgängige Verweis-Charakter scheint hochschuldidaktisches Kalkül zu sein; es dürfte aufgehen (und sich durchaus positiv auswirken), wenn die Lehrveranstaltungen bei der Herstellung der Bezüge helfen und die Praxisprojekte auf die rationale Vorplanung zurückgreift. Jedenfalls finde ich es bemerkenswert, welch kompaktes Kompendium die Hochschule ihren Studierenden zur Verfügung stellt

Kommen wir zur Theaterpädagogik! Ihre „Grundlagen“ (Kap. 3) formuliert Bettina Brandi. Sie geht aus von „dem Medium Spiel und Theater“ (105), zitiert Uri Rapp und führt „eine Reihe spezifisch persönlichkeitsbildender Faktoren des aktiven Theaterspiels“ genauer aus. Sie verbindet den Theaterbegriff (sehr zu Recht, meine ich) mit Spiel und einer umfassenden (philosophischen, pädagogischen, ästhetischen) Spieltheorie, bezieht das Rollenspiel mit ein (das „spontane Rollenspiel des Kindes“ und das „didaktisch angeleitete Rollenspiel“, 106) und entfaltet auf dieser Grundlage „Theaterspiel“ (107) und „Theaterpädagogik als Spielraum zwischen Kunst und Pädagogik“ (108). Erst nach diesen Vorklärungen wird eingeführt in „Theater- und Schauspieltheorie“ (mit aristotelischem und epischem Theater, 108 ff), werden „Neue Wege in der Schauspielausbildung“ (116 ff) skizziert. Ausführlicher werden dann „Entwicklung und Ziele der Theaterpädagogik“ (119), „Arbeitsfelder und Kompetenzbereiche“ (120 ff), „methodische und didaktische Grundlagen“ (122 ff) und „Theaterformen für die pädagogische Arbeit“ (127 ff) behandelt. Abschließend werden Verbindungslinien gezogen zu anderen Künsten, zur Bildenden Kunst, zu Bewegung und Tanz, zu elektronischen Medien.

Im Modul 5 „Medienanalyse“ geht es dann unter anderem um „Theateranalyse“, also erneut um Semiotik und jetzt auch um sprachliche Zeichen (226 ff). Herangezogen werden Pavis und Fischer-Lichte, auch Arno Paul für Theater als Kommunikationsprozess, Steinweg für das Brechtsche Lehrstück. Damit ergeben sich wiederum Hinweise auf andere Bereiche der Medienpädagogik.

Insgesamt ein echtes Studienbuch, auch als Nachschlagewerk nützlich; offensichtlich sehr spezifisch auf die Merseburger Studienangebote ausgerichtet, aber auch anregend und informativ für „Außenseiter“.


Hans-Wolfgang Nickel