Aktionstag: "Kultur gut stärken" – Machen Sie mit!

Ein statement der BAG Spiel und Theater e. V. zum 21. Mai 2011

Warum das Kulturgut "Spiel und Theater" gerade heute stärken? Weil beides ganz alte, globale menschliche Verhaltensweisen sind. Und weil sie ganz zeitgenössische Verhaltensweisen sind!

Die heutige Welt wird versucht, mit etwa solchen Begriffen systematisierend und konstruktiv zu beschreiben und zu begreifen: Multikulturalität, Transkulturalität, Interkulturalität, Weltinnenpolitik, Globalität/Mondialität, Multiversum, Kreolisierung (creolité), mobiles Weltbewusstsein/Weltwissen, Poly-/Pluri-Zentrizität, Kosmobilität, Differenzsensibilität, Migration/Wanderung als Weltphänomen …

Theater und Spiel sind Verhaltensweisen, die ihren wesentlichen Grund genau in den eben notierten Stichworten haben. Zur Erinnerung: Wandernde Spielleute; die Fahrenden, Zigeuner (Tsiganes), die misstrauisch beäugt wurden; Trickspieler; Komödianten haben unsichere Existenzen; Leben mit Vorurteilen und Kriminalisierung (unsichere Kantonisten); es gibt Verbote gegenüber dem Fremden in Spiel und Theater, auch Zensur von Texten; zugleich selbstbewusste Übernahme von Themen und Methoden aus allen Richtungen der Welt; Zeigen und Verlebendigung des Normabweichenden; Überschreitung von Regeln; Genießen und Wollust; Theaterleute als vogelfreie Leute, Vaganten, Obdachlose, freie und couragierte Frauen, Überlebenskünstler … Zusammengefasst: Transitorische Existenzen und Verhaltensweisen. Und: Das Unsichere ist (der zu sichernde Ort) von Spiel und Theater …

Also: Spiel und Theater = eine entfaltete Tradition und Praxis des Unsicheren. Ein welthaltiges, immaterielles Kulturerbe; eines, was sich immer wieder neu erfindet. Und was immer aufs Neue die Welt bereichert. Dieses Kulturgut Spiel und Theater gilt es zu stärken. Und: Es stärkt Kultur(en) seinerseits. Es verfügt in diesen Hinsichten über einen umfangreichen Erfahrungsschatz.

Spiel und Theater sind Zeitgenossen der Weltverhältnisse, in denen wir leben und die wir als Subjekte in Gleichheit und Freiheit - auch und gerade - ästhetisch eingreifend gestalten wollen und können.



Prof. Dr. Gerd Koch
Vorstand BAG Spiel & Theater

Weitere Informationen zum Aktionstag "Kultur gut stärken" – Machen Sie mit! finden Sie unter kulturstimmen.de